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Ausbildung, die verbindet
Ausbildung, die verbindet

Yaban

Im Juni 1999 holten wir Yaban zu uns. Seinen Namen hatte er aus einem Wortspiell aus zwei türkischen Worten für Fremder und Frecher, weil er aus Dänemark kam. Ich wollte auf keinen Fall wieder einen Hund, der wie Woodstock aus den Schönheitslinien stammte und deren lange und runde Rückenlinie hatte. Seine Eltern führten viel Blut aus alten DDR Arbeitslinien und davon hatte er seinen geraden Rücken und den kompakten Körper.

 

Damals fielen bei der Züchterin, bei der ich ursprünglich einen Welpen bestellt hatte nur kurzhaarige Hunde. Eine befreundetet Züchterin in Dänemark bekam fast zur gleichen Zeit einen Wurf, in dem drei langhaarige Welpen aus der gleichen Linie geboren wurden, so kamen wir zu dem kleinen Mann.

 

Yaban zu beschreiben fällt nicht schwer, er war eine Mischung aus Känguruh und dem Kaninchen aus Alice im Wunderland, dass nie Zeit hat.

Als kleiner Zwockel haben wir uns immer gewundert, warum er jammert wenn er Pipi macht. Bis wir feststellten, dass er es ganz schrecklich fand sich mit solchen Dingen wie Blase entleeren aufhalten zu müssen, wenn die ganze Welt voller Dinge ist, die nur darauf warten entdeckt zu werden.


Am Anfang war die Arbeit mit Yaban für mich sehr gewöhnungsbedürftig, Woodstock war schon als Welpe sehr ruhig und ausgeglichen gewesen, Yaban dagegen total impulsiv, das reinste Dynamit. Er explodierte förmlich vor Kreativität und das auch noch in einem atmeberaubenden Tempo. Mit einem Spielzeug war es unmöglich zu arbeiten, er hüpfte dann nur noch wie ein Flummie. ich konnte nur die richtigen Verhaltensweisen mit einem Clicker einfangen, für Worte war er zu schnell.

Agility, Obedience und Tricktraining, kein Problem wurde eben mal schnell erledigt. Agility war für ihn eine Droge, ein dunkler Pfeil schoss über die Geräte, zwischendurch stopte er kurz, um mich mit einem verschmittzen Grinsen anzulachen. Seine gute Laune war ansteckend, ich erlebte ihn nie unwillig.

Mit zwei Jahren wurde Yaban in einen sehr schweren Kampf mit einem entlaufenen Pitbull, der für Hundekämpfe missbraucht wurde verwickelt. In diesem Kampf, wäre der Pitbull gestorben, hätte mein Mann Yaban nicht die Luft abgedreht, danach fuhr er zur Tierarztpraxis um den Hund nähen zu lassen. Danach hatten wir ein völlig verändertes Verhalten bei Begegnungen an der Leine und im Freilauf. Ich mußte ein Jahr mit Maulkorb und Schleppleine trainieren, bis jegliche Unsicherheit und Aggressionsbereitschaft verschwunden war.

Danke Yaban, dass ich so viel über Aggressionsverhalten von dir lernen durfte, du hast mein Herz damit geöffnet, für Hunde mit diesem Verhalten.

 

Dieser unglaubliche Hund, als Junghund eher explosiv, war nach seinem fünften Lebensjahr eine Stütze und eine wichtige Persönlichkeit der Hundeschule. Er zog uns so viele Welpen und Junghunde groß, ich habe in den gansen Lebensjahren von ihm nur zweimal erlebt, dass er einem Junghund einen Schnauzgriff verpasste, soviel dazu, ihn ständig bei Hunden anzuwenden.

Beim Umtrainieren von aggressiven Hunden, wirkte er so beruhigend, dass Kunden und Trainingshunde zur Ruhe kamen, wie oft hörte ich, dieser unglaubliche Hund, wenn er dabei ist fühle ich mich so sicher, er gibt mir Ruhe.

Junghunde, die er mit aufzog kamen sein ganzes Leben lang angerannt um ihn zu begrüßen, ich mußte über sein Gesicht dann immer lachen, weil er dann Grimassen zog.

Was soll ich schreiben über diesen wirklich großartigen, unglaublichen Fels unseres Lebens. 

Bis auf zwei Knieoperationen war dieser Hund fit bis ins hohe Alter. Mit 12einhalb Jahren wurde er uns vom Krebs geraubt. Es ging furchtbar schnell, Freitags dachten wir es wäre ein Schlaganfall, dann erstmal Entwarnung, Verdacht auf Magen-Darminfektion weil er auch Bauchweh hatte. Samstagabend rief uns Rüdiger Volz in die Praxis, weil es ihm wieder schlecht ging, er wollte ihn nur kurz nachsehen und ihn Montag auf den Kopf stellen.

Als die Jungs zwei Stunden weg blieben ahnte ich es schon, ich rief an, niederschmetterender hätte das Ergebnis nicht sein können. Milz und Leber vom Krebs zerstört, keine Chance!


Und von Samstag- auf Sonntagnacht schlich sich der Tod in unser Haus, um ihn heimzuholen. Mein Mann schlief bei Yaban und weckte mich um 5 Uhr auf, starkes Hecheln, erweiterte Pupillen, der Tumor in der Milz blutete in den Bauchraum, wir riefen Rüdiger an, der sofort losfuhr.

Es mußte eine starke Blutung gewesen sein, sehr schnell sehr effizient, wir legten uns auf den Boden zu unserem sterbenden Hund, streichelten ihn und sagten ihm, er soll gehen, er soll loslassen alle warten schon auf ihn. Woodstock, Linus und alle seine Freunde, sie waren da um ihn zu empfangen. Er lies los, als sein Herz nur noch flackerte, klopfte Rüdiger an die Türe, da sagte ich zu ihm, das hast du doch jetzt extra gemacht, du alter Zauselbär, später Seitenhieb für alle Untersuchungen über die Jahre!

Mein Mann war zu Stein geworden, mit der Seele von Yaban verschwand auch er für einen Moment, er und Yaban, die Beiden waren eine Einheit gewesen das ganze Leben von Yaban.

 

 

 

 

 

 

Ach mein Herz, Du fehlst uns auch nach zwei Jahren immer noch so sehr!

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